Sonntag, 24. Oktober 2010

gelernt.

Wenn an der FH die heiße Phase kurz vor den Klausuren anfängt ist mit keinem mehr gut Kirschen essen. Je nach Job sind einige einfach nur gestresst und andere völlig fertig mit den Nerven. Wenn es dann um die Nachschreibeklausuren geht, sind die Teilnehmer eigentlich nur noch wie Schatten ihrer selbst.

Ich gehöre im Moment zu diesen Teilnehmern und ich muss sagen, inzwischen ist mir völlig klar warum Ehen wegen unverschlossenen Zahnpastatuben geschieden werden. Wenn einer der beiden berufsbegleitend studiert-200% Verständnis von meiner Seite! Nach endlosen Stunden am Schreibtisch, entweder im Büro oder zu Hause, nach viel zuvielen Nächten mit viel zu wenig Schlaf und dem ständigen Wissen, dass es immernoch etwas gibt was man sich noch nicht angeschaut hat...nicht schön.

Wenn ich mich in meinem Semester umschaue, stelle ich immer häufiger fest, dass Kommilitonen die am Anfang des Studiums in einer Beziehung waren inzwischen Single sind, und das einige zueinander gefunden haben, weil sie jemanden an ihrer Seite brauchen der den selben Wahnsinn durchmacht. Ich glaube das ist ein wesentlicher Punkt den viele bei ihrer Entscheidung für diesen Weg unterschätzen. Dass es auch für den Partner unheimlich anstrengend ist jedes Semester aufs neue Händchen zu halten, Daumen zu drücken, zu trösten wenn eine Klausur daneben ging, einem Mut zuzusprechen und die Launen in der "heißen Phase" zu tolerieren. Ich bin wirklich froh und dankbar jemanden an meiner Seite zu wissen, der nicht müde wird mir zu sagen, das alles gut wird. Das die Entscheidung richtig war und das wir dieses Studium gemeinsam durchstehen. Ich als nervliches Wrack und er als mein persönlicher Cheerleader.
Ich glaube ich sollte mal wieder einen Kuchen backen...

Sonntag, 10. Oktober 2010

Where is my mind

Ich hasse Mindmaps. So, jetzt ist es raus.
Die Abneigung gegen diese Art Informationen aufzubereiten entwickelte sich schon sehr früh in meiner schulischen Karriere. Irgendwann, ich glaube es war in der 7. Klasse, hielt sie plötzlich jeder Lehrer für das absolute non plus ultra um sich Wissen anzueignen. In jedem Buch das ich  zum Thema "Lerntechniken" oder "Zeitmanagement" gelesen habe gibt es MINDESTENS ein Kapitel darüber wie super Mindmaps sind. Nicht das mich jetzt jemand für geistig verklemmt hält, ich hab es versucht, wirklich versucht mit ihnen klarzukommen. Einfach nur um auch endlich die Fabelhaftigkeit dieser scheinbar wirren Aufschriebe zu entdecken von der alle sprachen...aber vergeblich.
Ich bin all die Jahre bestens mit meinen schlichten Listen voller bunter Aufzählungspunkte zurechtgekommen.


Im letzten Semester viel mir mein Studium allerdings extrem schwer. Ich bin nicht sicher ob es an den Vorlesungsthemen lag (Mathe, Mikroökonomie, Buchführung und noch mehr Mathe-was für mich bei der Prüfungsvorbereitung wie die Wahl zwischen Pest und Cholera war) oder an der Tatsache, das ich für ein Studium vielleicht einfach falsch lerne. 


Also begann ich Bücher mit erhebenden Titeln wie "Effizientes Lernen und Selbstmanagement", "Lernen lernen" oder "Positives Lernen" zu wälzen. Und da tauchten sie wieder auf, meine verhassten Mindmaps.
Laut der Literatur bieten sie den Vorteil das beide Gehirnhälfte angesprochen werden und man sich den Stoff dadurch besser merken kann. Aha.
In meiner Verzweiflung geb ich dem Ganzen also nochmal eine Chance.
Bei der Erstellung geht man folgendermaßen vor:
  • Man beginnt in der Mitte des Blatts und trägt dort das Thema ein. In meinem Fall war das "Mikroökonomie". Von dort aus erstellt man Verzweigungen zu Stichworten die das Thema aufgliedern. Bei mir " Rechnungen", " Definitionen", "Schaubilder" 
  • Darunter sollen die gewählten Stichworte in kurzen Worten erläutert werden. Allgemein gilt: man geht vom Allgemeinen zum Speziellen
Zu meiner Schande muss ich gestehen: sie gefällen mir jetzt diese neumodischen Mindmaps :-) Ich benutze sie inzwischen regelmäßig um mir einen Überblick über den Stoff eines Vorlesungsfachs zu verschaffen. Dadurch übersehe ich nichts und kann alles so ordnen wie ich es für richtig halte. Die Jahre des Widerstands sind vorrüber. Es leben die Mindmaps!

Montag, 13. September 2010

Versagen.

So you failed. Alright you really failed. You failed. You failed. You failed. You failed. You failed. You failed. You failed. You failed. You failed. You failed. You failed. You failed. You think I care about that? I do understand. You wanna be really great? Then have the courage to fail big time and stick around. Make them wonder why you're still smiling.

Claire Colburn - Elizabethtown

Schmerz. 
Ich starre gebannt auf meinen Bildschirm und kann irgendwie nicht richtig glauben was ich da sehe. Ein dicker, roter Punkt lacht mich höhnisch aus meinem ansonsten fröhlich grünen Studienbuch an.  

Ein dicker, roter Punkt der mir sagt: nicht bestanden. 
Alles nochmal. Die Quälerei der letzen Wochen - umsonst.
Ich sitze im Büro und spüre wie sich langsam mein Hals zuschnürt und ich schlechter Luft bekomme. 

"Guten Tag, liebe Panikattacke! Lange nicht mehr gesehen!"

Beinahe hätte ich in den letzten lernfreien Wochen vergessen wie sich das anfühlt. Aber eben nur beinahe...also schnappe ich mir meine Wasserflasche und stelle mich ans offene Fenster. 
Atmen...ein...und wieder aus...ein...aus...und immer schön einreden dass es bestimmt gleich wieder vorbei ist. 

Ich schaue hinaus in einen regnerischen Spätsommerhimmel und versuche irgendwie meine Gedanken zu ordnen. Der erste rote Punkt meines Lebens. Das erste mal rot auf grau das ich nicht gut genug war. In mir wächst das Bedürfnis mich mit einer Tüte Chips unter meine Decke zu verkriechen. 
Plötzlich reisst mich mein Telefon aus den melancholischen Gedanken...
ich bin ja im Büro. Also nehme ich einen Schluck Wasser, wische mir den Mund ab - und weiter gehts.




Dienstag, 24. August 2010

die liebe Zeit.

Zeitgleich mit meinem Start an der Abendschule vor drei Jahren, trat ein Gefühlszustand in mein Leben der mir bis dahin unbekannt war. Am Ende eines Tages war ich konsequent unzufrieden mit meiner Leistung, ständig hatte ich den Eindruck viel zu wenig geschafft zu haben und fühlte mich wie der weltgrößte Versager.
Meine Mitmenschen verstärkten diesen Eindruck noch fleißig durch Aussagen wie "Nie hast du Zeit für mich!" "Ich würde ja sooo gerne was mit dir unternehmen, aber du hast ja doch keine Zeit!" usw.


Dieses Thema quält mich nun schon so lange, dass ich mich endlich mal auf die Suche nach einem Ansatz gemacht habe, der mir diesen Druck nimmt.
Also brachte ich mal zu Papier was ich den lieben langen Tag so treibe: Büro, Vorlesungen, lernen, Sport, Schlafen, Haushalt.


So, und da ich nunmal Kauffrau bin, tu ich das, was Kaufleute das nunmal immer machen Ich begann zu rechnen:
Eine Woche hat 168 Stunden.
32 Stunden davon verbringe ich im Büro
10 Stunden sitze ich in der FH
60 Stunden genieße ich schlafend


Es bleibt ein Rest von 66 Stunden.
In diese 66 Stunden quetsche ich dann Sport, Einkaufen, Putzen, Lernen (denn nein, mit in den Vorlesungen sitzen ist es nicht getan!), Essen und ganz nebenbei führe ich noch eine Beziehung und pflege die ein oder andere Freundschaft. Und viel zu lange habe ich mich selbt in dieser ganzen Hektik komplett vergessen.


Die Erkenntnis die ich daraus gewonnen habe?
Ich habe viel zu wenig Freizeit um sie mit Dingen/Menschen/Aktivitäten zu füllen die mir keine Freude bereiten oder mich womöglich nur nerven.
so. Handy aus, Cookies geschnappt und ab auf die Couch.

Montag, 9. August 2010

ab morgen.

Ja, ab morgen wird alles anders. Und nächstes Semster sowieso, kein Terminchaos mehr, rechtzeitig anfangen mit lernen, ein durchorganisierter Schreibtisch. Jawohl!

Ich glaube solche Aussagen kommen von mir in regelmäßigen Abständen seit der 5. Klasse oder so. Ich kann es ja selbst kaum mehr ernst nehmen, allerdings hat sich die Situation während des Studium verschärft. Bei den ersten Klausuren habe ich es - unverbesserlich verplant wie ich bin - geschafft mir den falschen Prüfungstermin in den Kalender einzutragen. Fräulein dachte also permanent "hajaaa, sind ja noch 4 Wochen Zeit, alles wunderbar!" Bis sich rausstellte: Nix 4 Wochen, 2 Wochen für ca. 400 Seiten Stoff. 
*Angst* *Panik* *sichuntermtischverrkriech*

Ich habe es zwar (wie auch immer) geschafft diese Prüfungen zu bestehen, dennoch bin ich der Meinung dass das besser werden muss. Also hab ich mich mal schlau gemacht was diverse Ratgeber zu diesem Thema sagen. Die Folgenden Tipps fand ich persönlich hilfreich und habe sie bereits umgesetzt oder ich habe vor dies in Kürze zu tun:

- Schreibtisch entrümpeln. Und zwar gründlich. Alles was nicht mehr gebraucht wird, nicht mehr funktioniert (unglaublich wieviele Stabilos ein Mensch besitzen kann!) wegwerfen. Am besten funktioniert das wohl, wenn ich den Schreibtisch komplett leer räume, gründlich putzte und mir dann überlege was man ich den grade weggeräumten Dingen wieder drauf stellen möchte

- Ich soll dabei beachten, dass nur die Gegenstände auf dem Schreibtisch einen festen Platz finden die ich immer beim Arbeiten benötige

- Es soll wohl auch besonders förderlich sein, wenn mir die Gegenstände auf dem Schreibtisch persönlich gut gefallen. Ich habe mal ein Zitat gelesen, ich glaube es war von Terence Conran, in dem es hieß "Umgeben Sie sich nur mit Dingen die sowohl zweckmäßig als besonders schön sind." Es ist ganz bestimmt nicht mein Ziel dies zu 100% zu beherzigen (dafür fehlt mir definitiv das nötige Kleingeld), aber es scheint mir sinning je mehr ich darüber nachdenke

- Ich habe auch mehrfach gelesen, dass ein positives Arbeitsklima total wichtig ist, d. h. die Entrümplungsaktion sollte sich nicht nur auf den Schreibtisch beschränken, sondern das gesamte Zimmer in dem ich lerne soll mich grundsätzlich positiv stimmen. Aha...super. Wenn ich mir überlege dass hier ein Wäscheständer rumsteht, die Möbel in einem wilden und absolut nicht stylischem Stilmix zusammengewürfelt sind...schwierig. Als Expertin für das Thema Entrümplung hat sich übrigens Karen Kingston etabliert. Ihr Buch "Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags" ist ein weltweiter Bestseller und motiviert ungemein zum Ausmisten

- Um die Termine eines Jahres im Überblick zu behalten und mir zu verdeutlichen wieviel Zeit mir noch zum lernen bleibt, hängt nun ein Jahresplaner über meinem Schreibtisch in den ich sämtliche Klausurtermine am Anfang des Semesters eintrage. Hoffentlich vermeide ich damit zukünftig schlimme Überraschungen

- Ich arbeite meine Notizen aus der Vorlesung bis zur nächsten Vorlesung in Reinschrift auf. Im Idealfall passiert das noch am selben Wochenende (bevorzugterweise während der Sportschau, da schreibt es sich irgendwie besonders gut =D). Ich musste nämlich feststellen, dass mir bei der Prüfungsvorbereitung am meisten Zeit beim sortieren meiner Aufschriebe flöten geht


Im Moment sieht das Elend auf meinem Schreibtisch so aus:


Und das sind die Dinge die ich ändern möchte:
- einen Rollcontainer kaufen um dort mein Büromaterial abzulegen 
- weniger Ablagefächer (durch Rollcontainer) und die übriggebliebenen hübsch lackieren
- Krimskrams entfernen
- Papierchaos aufarbeiten

Ich geben mir dafür Zeit bis zum 01.09.2010
Ich habe mir sagen lassen, dass sich Ziele nur (ok, sagen wir eher) erreichen lassen wenn sie SMART formuliert sind. In meinem Fall heißt das

S = Spezifisch, genau definiert. Check, siehe Liste oben
M= Messbar. Öhm joa...dafür das Foto
A= Akzeptiert, das Ziel soll attraktiv und anspruchsvoll sein. Check, ist es definitiv
R= Realisierbar. Ich denke das lässt sich machen
T= Terminierbar. Check, 01.09.2010 denke das sollte terminiert genug sein

Ich bin gespannt was daraus wird und halte euch selbstverständlich auf dem laufenden. 


Donnerstag, 5. August 2010

anfangen.

Wo das Mögliche und das Unmögliche aufeinandertreffen entsteht das Vermöglichbare.
-Barney Stinson -


Wie geht man seinen ersten Post an? Ich habe die letzten Wochen damit verbracht unzählige Blogs zu lesen um eine Antwort auf diese Frage zu finden, aber irgendwie weiß ich heute genausoviel wie vorher. Seit Monaten träume ich davon meinen allerersten eigenen Blog zu eröffnen um etwas mehr Kreativität in meinen Alltag zu bringen. Ich weiß nicht mehr genau wieviele Stunden ich damit verbracht hab mir ein passendes Thema zu überlegen. Über was weiß ich viel? Was würde ich gerne lesen? Was kann ich gut? Womit beschäftige ich mich?
Die Ideen gingen von Wohnraumdesign, Beautykram, das Leben an sich über Beziehungen, Reisen, Essen...und wieder zurück. Völlig ernüchtert stellte ich fest: gibt es alles schon. Und die Leute die darüber schreiben, können das alle viel besser als ich. Mist! Bittere Erkenntnis - ich bin nichts Besonderes *grml*

Irgendwann kam sie dann aber, die Idee. Eine Sache gibt es in meinem Leben, die ich mit nicht ganz so vielen Menschen teile: ich studiere *kurze-dramaturgisch-wertvolle-pause* berufsbegleitend.

Seit September letzten Jahres verbringe ich meine Freitag Abende und Samstage lieber in einem Vorlesungsraum statt in Bars und auf Partys. Wer braucht schon Freizeit wenn man sich stattdessen mit den Vor- und Nachteilen von Gossen'schen Gesetzen und der Bilanzierung nach IFRS befassen kann?!?
Ganz genau, ich studiere BWL. International Management um genau zu sein. Weil mir das aber irgendwie immer zu schnöselmäßig klingt nenn ich es jedesmal BWL und Englisch. Man muss mich ja nicht schon nach den ersten zwei Sätzen scheisse finden...

Letzten Samstag hab ich das zweite Semester hinter mich gebracht. Wahnsinn wie schnell so ein Jahr vorbeigehen kann. Dann der nächste Gedanke: yay, nur noch 5 Semester! Und die gute Laune ist hinüber. In meinen Augen ist das nur auszuhalten wenn man in kleinen Etappen denkt. In meinem Fall von Semester zu Semester. Würde ich mir ständig ins Gedächtnis rufen dass ich noch 2,5 Jahre lang nicht groß mit meinem Freund auf Reisen gehen kann weil mir das Geld fehlt, ich mich noch 2,5 Jahre Freitag um Freitag durch Menschen in Feierlaune drängeln muss um an die Uni zu kommen und noch 2,5 Jahre lang Samstag Morgens um 6 Uhr mein Wecker klingelt - dann auf zum nächsten Baum. Reicht mir bitte jemand nen Strick?!
Meine Lieblingsmetapher (naja Metapher ist übertrieben...egal) zu diesem Thema ist die Treppe an meiner Sbahn Haltestelle. Sie hat gefühlte 1000 Stufen und ist unfassbar steil. Vor meinem Umzug in die Innenstadt stand ich unzählige Male davor und dachte nur "Was für Menschen laufen da nur hoch und kommen freudig lächelnd oben an?" Meine Wenigkeit würde schweissdurchnässt, hechelnd wie wie Whitney Houston bei ihrem letzten Auftritt oben zusammenbrechen und nach einem Sauerstoffzelt betteln. 
Heute, einige Monate später, gehöre ich selbst zu den Leuten, welche die Rolltreppenfahrer nur müde belächeln. Ich gebe zu, die Motivation diese Treppen zu erklimmen kam nicht von mir selbst sondern von dem Mann mit dem ich mein Leben teile. Dieser meinte nämlich "komm du sitzt doch den ganzen Tag, das ist total gesund!" Ja ja schon klar GESUND pfff, ich will bequem, nicht gesund verdammt! -  aber ich sah ein, dass wochenlanger Prüfungsstress (Abitur...auch per Abendschule) mit Pizza, McDonalds und bergeweise Frustschokolade ihre Spuren hinterlassen haben. Also gut, ich lief die Treppen hoch. Und, oh wundersame Erkenntnis, ich stellte fest, wenn man einfach immer nur auf die 3-4 Stufen schaut die direkt vor einem liegen und einfach mal ausblendet das noch zahllose weitere folgen, ist das alles nicht ganz so schlimm. Immer schön die kommenden 3 im Auge behalten und sich dann - selbstverständlich - hechelnd am Boden liegend - darüber freuen dass plötzlich keine mehr kamen und man endlich oben angekommen ist. 

Und mal ehrlich, wenn's bei den Stufen geklappt hat muss es doch beim Studium auch funktionieren oder?