Montag, 17. September 2012

375 Tage Franken

Es ist Freitag, kurz vor 18 Uhr.

Eine Gruppe blau-bebluster, (sollte ich mir die Rechte an dieser Wortkreation sichern falls sie sich durchsetzt?!?) Blazer tragender und ziemlich müde dreinschauender Mittzwanziger steht vor einem Bürogebäude in der Nürnberger Innenstadt.
Das Ipad in der einen, den heißen Kaffee in der anderen Hand und ich mittendrin. BWL’er Klischee im Quadrat.

Wir unterhalten uns über die Hochzeitsvorbereitungen der Einen, den neuen Job der Anderen und beglückwünschen einen Kommilitonen zu seinem letzten Arbeitstag in der verhassten Firma.
Man schleppt sich nach einem acht Stunden Arbeitstag so durch die Vorlesung und sehnt im Grunde nur die nächste Pause herbei.
Gegen 20 Uhr dann wieder das selbe Bild. Nur die Augenringe haben sich vielleicht von RAL7023 zu RAL 7009 entwickelt. Ich stehe gedankenverloren in der dunklen Abendluft und lausche der Unterhaltung meiner Kommilitonen über die ersten Semester.
Plötzlich werde ich angesprochen: „Sag mal Franzi wie fandest du eigentlich damals den Prof. Schmidt? Die Klausur war doch mal ganz übler Scheiss, bist du da nicht auch durchgefallen?“
Irritiert starre ich meinen Kommilitonen an, bis mein Gegenüber das Wort ergreift „Meeeensch Wagner, sie ist doch erst vor einem Jahr zu uns gekommen! Sie kann ihn gar nicht kennen.“

Er mustert mich nachdenklich von der Seite „Hmm weißt du, irgendwie kommt es mir so vor als wärst du schon immer da gewesen. Sorry ich vergess oft, dass wir uns eigentlich erst seit einem Jahr kennen.“

Etwas mehr als 365 Tage lebe ich nun hier. Und scheinbar habe ich meinen Platz gefunden. Zumindest fühlt es sich in solchen Situationen so an.

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